Wenn Blogs zusammenziehen …

Foto am 19-06-2013 um 16.05 #4

Alles neu macht der … April, in diesem Fall.

Ich blogge ja bereits seit einigen Jahren, und das nicht immer mit dem idealen Durchhaltevermögen. Seit 2016 bin ich aberverhältnismäßig fleißig an meinem Hauptblog The Merry Loner dran, wenngleich auch auf englisch und nicht deutsch. Notes from my island kam da im Vergleich nicht nur etwas später, sondern auch deutlich zu kurz, was nicht zuletzt mit meinem mangelnden Organisationsgeschick zusammenhängt. Zwei Blogs auf zwei verschiedenen Seiten zu schaukeln, ist mir meist nicht so gut gelungen, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte.

Lang gejammert und viel diskutiert hatte vor einigen Tagen eine liebe Freundin von mir einen wunderbaren Geisteblitz, den ich dann auch sofort in die Tat umgesetzt habe: Ich lasse meine Blogs zusammenziehen.

In neuer trauter Zweisamkeit …

Auf meiner Hauptseite themerryloner.com werde ich in Zukunft auch meine deutschen Blogeinträge posten, die ich bis vor kurzem noch hier veröffentlich habe. Unter der Kategorie The Merry Loner – Deutsch und mit diversen Unterkategorien, die im Laufe der Zeit dazukommen werden, strukturiere ich die neuen Inhalte in der jeweiligen Sprache dann so, dass sie ohne Probleme zu finden sind.

Die Inhalte, die ich bisher auf Notes from my island veröffentlich habe, bleiben natürlich genau da, wo sie sind. Weiterführende Updates zu meiner Low Buy Challenge, Buchtipps zum Minimalismus, Ausräumen und andere Dinge, über die ich gerne schreibe und hier geschrieben habe, finden sich dann in Zukunft auf themerryloner.com. Ich habe die Seite für den großen Anlass der Zusammenlegung auch extra noch besonders hübsch gemacht, damit es allen gefällt.

Wer hier immer wieder gerne mitgelesen hat: Bitte nehmt mir den Umzug nicht übel, ich hoffe, dass ich damit in Zukunft auch mehr poste. Und ich freue mich natürlich, wenn ihr mitkommt :)

Vielen Dank fürs Lesen und passt gut auf euch auf!

Ein etwas anderes Update: Mein Low Buy März

Regale mit Büchern und gemütlicher Sessel
Mein Lieblingsplatz, wenn ich nicht raus darf (und überhaupt): meine Leseecke.

Seit meinem letzten Low Buy Update ist ja doch einiges passiert, oder, um es mit einem meiner liebsten englischen Sprüche zu sagen: that escalated quickly.

Abseits von Ausgangssperren und Hamsterkäufen konnte ich die erste Märzwoche noch in ein paar Geschenke investieren, schließlich hatten der Held meines Herzens und ich Anfang des Monats unseren Jahrestag. Die zweite Monatshälfte hatte dann eindeutig ein Corona-Motto, allerdings weniger bierselig, als man bei dieser Bezeichnung noch vor wenigen Monaten hätte meinen können. Alles in allem also chaotisch, überraschend und ein wenig teuerer als erwartet.

Aber alles der Reihe nach.

Herzensdinge in meiner Welt

Der Held meines Herzens und ich hatten Anfang März unseren Jahrestag, und diesmal sogar einen ganz besonderen, nämlich den fünften. Das mag für manche nach nicht viel klingen, in meiner kleinen Welt ist das aber eine Sensation, nicht nur aufgrund der Zahl, sondern vor allem aufgrund der schlichten Erfreulichkeit der Dinge, wie sie immer noch sind. Dementsprechend möchte man sich gemeinsam dann eben auch feiern. Normalerweise setzen wir uns immer ein recht überschaubares Budget, da es schließlich mehr um den Anlass denn um das Aufgebot an Geschenken geht. Meistens gibt es ein Buch, weil wir beide gerne lesen, und dazu noch eine kleine Überraschung. Diesmal hatte der Held meines Herzens unser Budget jedoch schleichend auf 50 Euro hochgetrieben, was mich dann natürlich angespornt hat, dieser Summe gerecht zu werden. Das habe ich auch geschafft, inklusive Glücksgriff-Buch, denn es ist gar nicht so leicht für einen leidenschaftlichen Leser, der so ganz andere literarische Sphären bevorzugt als ich, was schönes zu finden. Ich hatte echt Glück und fand zum richtigen Zeitpunkt was Japanisches …

Kurzum, die erste Woche hatte es in sich. Und irgendwie wurde es auch danach nicht ruhiger.

Hast du noch alle Rollen im Regal?

Wie an anderer Stelle berichtet, setze ich mich ja vor allem seit meiner Low Buy Challenge mit organisiertem und geplanten Lebensmitteleinkauf auseinander. Neben meinem Wunsch nach weniger Bullshit in den heimischen Regalen ist es schließlich auch so, dass ich mir schöneres vorstellen kann, als viermal wöchentlich in den Supermarkt zu latschen, weil wir wieder mal irgendeine Kleinigkeit übersehen haben. Meine Essenplanung und damit einhergehende Einkaufsoptimierung hat die letzten Monate recht gut funktioniert, auch ohne Hamsterkäufe. Bis Corona eben.

Die Woche vor der Ausgangssperre verbrachte ich krank im Bett und war dementsprechend gesellschaftlich out of order. Die ersten Anzeichen, dass sich da draußen in der Welt wichtiges tut, habe ich an dem Abend wahrgenommen, als der Held meines Herzens mit sechs Packungen Katzenfutter nach Hause kam, “sicherheitshalber”. Welche Sicherheit er da genau meinen könnte, war mir noch nicht klar – und ist es eigentlich auch heute nicht, aber ich bin trotzdem dankbar, dass er so vorausschauend mitgedacht hat. Mich beschlich jedoch der leise Verdacht, dass ich hier im Bett womöglich nicht alles so genau mitbekomme. Einmal nachlesen auf der Website der Regionalnachrichten bestätigte dies.

Vier Tage später war ich denn auch im Homeoffice und auf halbem Weg zum Großeinkauf meines Lebens.

Ein Blick in die Regale für Klopapier legt die Vermutung nahe, wir hätten es mit Cholera und nicht Corona zu tun. Italienische Nudelprodukte sind ausverkauft denn es könnte ja – ja was denn? Keine Barilla-Nudeln mehr geben, weil in Italien grad die Kacke so richtig am Dampfen ist? Meine Lieblingshafermilch ist aus, weil die Hipster beim Hamstern besonders flott sind. Es sind nur wenige Menschen da, und die kaufen alle viel ein. Fast alle. Das bekommt eine Eigendynamik, der man sich fast nicht entziehen kann. Dann lieber doch noch das dritte Pesto einpacken, hält doch eh so lange. Dosentomaten, wunderbar, Sugo für Wochen.

Auch wir haben viel eingekauft, und weil wir mittlerweile nur mehr einmal wöchentlich zum Supermarkt gehen, kostet das dementsprechend. Das schockiert mich zwar jedes Mal wieder, allerdings habe ich meine Schnappatmung beim Bezahlvorgang mittlerweile im Griff und zudem erkannt, dass wir damit insgesamt wahrscheinlich trotzdem sogar noch was sparen, weil man tendenziell beim “schnell noch in den Supermarkt gehen” mehr mitnimmt als bei einem organisierten Wocheneinkauf mit Liste und Überblick.

Her mit meinen Jessicas!

Ganz konnte ich mich der allgemeinen Verunsicherung, als sie mich denn auch mal erreicht hat, dann nicht entziehen. Wenn es scheint, als würde die Welt, wie ich sie kenne, womöglich mal eine zeitlang auf Pause gehen, dann möchte ich mich mit allem, was mich seelisch in Watte packt, einigeln können. Dazu gehören auch meine literarisch mittelwertvollen, heißgeliebten Murder, She Wrote-Romane, die für mich eine direkte Verbindung zur Heldin meiner Kindheit, J. B. Fletcher, darstellen. Mit dem Rundumkauf einer netten Anzahl meiner Jessicas habe ich denn nicht nur mein Buchbudget ans Limit geführt, sondern wurde auch daran erinnert, dass Jessicas ‘Co-Autor’ Donald Bain leider verstorben ist und nun ein anderer Autor die Reihe übernommen hat. Teils mäßige Kritiken und üble Verrisse lassen mich meine erste ‘neue Jessica’ fürchten, was dem eigentlichen Beruhigungseffekt meines Bücherkaufs übrigens nicht zuträglich war. Noch habe ich einige Jessicas in gewohnter Manier auf Vorrat. Für die Zeit danach kann ich nur hoffen, dass sich die Übernahme praktisch nahtlos gestaltet und Cabot Cove als internationale Mörderhauptstadt mit einzigartiger Aufklärungsrate durch eine Hobbydetektivin weiterhin Bestand hat. Es gibt einfach Grundfesten in dieser Welt, an denen niemand zu rütteln hat.

Kurz und gut, der Monat war in gewissen Bereichen recht unspektakulär. Da im April wohl auch großteils mit Ausgangssperren oder zumindest -einschränkungen zu rechnen ist und ich zum Glück keine große Online-Shopperin mehr bin, spekuliere ich auf eine weitere kleine Investition für mein Sparkonto. Kurzarbeit sei Dank – ja, auch ich, und ich bin mal froh drum – wird mein Gehalt in den kommenden Monaten Einschnitte aufweisen, und da wäre ein wenig Extrafluff im Pölsterchen ja nicht schlecht…

Soviel zu meinem Low-Buy-März – hat wer andere Erfahrungen gemacht, vor allem in Zusammenhang mit Hamsterkäufen und Krisenpanik? Geht es bei manchen jetzt richtig los mit online shoppen?

Was auch immer ihr macht, passt gut auf euch auf und bleibt gesund – alles Gute! :)

p.s: Ich habe vier Tage für diesen Post gebraucht, mein Antrieb lässt derzeit zu wünschen übrig. Ich hoffe auf baldige Besserung und weniger textliche Verspätung in Zukunft…

Grüße aus der Sperrzone: Corona … und plötzlich steht die Welt still?

Ausgangssperre Corona virus Innenstadt
Die Welt steht nicht still, wir sind nur grad nicht so viel rum …

Seit meinem letzten Post ist eine Woche vergangen und wenn man den Lauf der Dinge in diesen sieben Tagen nachverfolgt dann kann man nur sagen: “Well, that escalated quickly.” Seit einer Woche gibt’s eine Ausgangssperre, seit etwa drei Tagen eine generelle Quarantäne, sprich jeder bleibt in der eigenen Ortschaft. Ob die Maßnahmen ausreichend greifen, wird sich noch zeigen, dass noch mehr folgen wird, selbst wenn die derzeitige Frist vorbei ist, scheint naheliegend. So viel dazu.

Mein Job macht Homeoffice möglich, weshalb ich auch seit Dienstag ausschließlich in selbigem zu finden bin. Nachdem ich jahrelang als Freelancerin gearbeitet habe und mich seit Jahren an meiner Diss abquäle, bin ich Homeoffice gewöhnt, dank liebevoll optimiertem Büro in der Wohnung top ausgerüstet und arbeite so auch am besten. Selbst mit meinem Teilzeit-Bürojob nehme ich mir immer mal wieder kniffelige Sachen aus dem Büro mit nach Hause, um im Homeoffice mit für mich optimierten Setting meinen Job produktiv erledigen zu können. Arbeitstechnisch vermisse ich also nichts, ganz im Gegenteil. Ruhe, Frieden, frohes Schaffen. Wenn der Anlass nicht so tragisch wäre, würde ich die Entwicklung fast mit einem “how wonderful” kommentieren. Das lasse ich aber lieber und bin einfach nur froh, dass ich einen Job habe, der meinen Kolleginnen und mir die Möglichkeit gibt, sicher von zu Hause aus zu arbeiten. 

Die Illusion von Ruhe

Hier wird es nun aber auch interessant, denn wenn ich auf die Straßen blicke – entweder die vor meinen Fenstern oder jene auf Instagram und diversen Newsseiten – dann sehe ich … nichts. Oder eben kaum was. Vereinzelte Autos, Einkaufende, die den Gehsteig entlang hasten und Hunde beim Gassigang mit ihren Leinenhaltern. Abseits von malerischen Bildern ausgestorbener Straßen schaue ich mich dann aber mal kurz in meinem Arbeitsbereich um und entdecke wenig Ruhe und vieles, was nur darauf wartet, erledigt zu werden. Allem voran natürlich meine Diss, die ja mittlerweile sehr ungeduldig ist und dieses Jahr endlich fertiggestellt werden möchte. Drei Wochen Landunter dank Krankheit (kein Corona, nur banaler Infekt) haben mich in meinen Plänen zurückgeworfen, aber manchmal lassen sich die Dinge eben nicht so gut vereinbaren und durchziehen, wie ich es gerne hätte. Hier also schon mal nix mit Ruhe – bye bye Netflix-Night.

Abhängig vom Job haben einige im Homeoffice wahrscheinlich gerade eine verminderte Workload – im Kreativbereich etwa, in dem auch ich unterwegs bin, zeichnen sich Krisenzeiten ja gerne durch ordentlich Wellengang aus. Aber auch andere Branchen müssen womöglich erst mal die aktuellen Entwicklungen abwarten, bevor es wieder mit vollem Einsatz weitergeht. In diesem Kontext ist wahrscheinlich auch diese ‘Ruhe’ gemeint, von der so viele reden. Weniger Arbeit bringt mehr Zeit für Familie, Freunde, Spiel und Spaß – in der Quarantäne. Wer alleine wohnt, telefoniert hoffentlich gerne, sonst wird es einsam. Wer zu romantisch zu zweit wohnt, hat sich hoffentlich richtig lieb und wo Kinder auch noch mit dabei sind, hängen innige Liebe und Nervenstärke wohl direkt mit der Quadratmeteranzahl des Wohnraums und einem etwaigen Garten zusammen. Weniger Arbeit heißt für viele auch, endlich mal die Dinge erledigen zu können, die sonst immer vergessen oder verdrängt werden. Fensterputzen, Staubwischen, Schuhe putzen – mache ich persönlich ja nur, bevor meine Oma kommt. [Seit sie nicht mehr mobil ist, brauche ich deutlich weniger Swiffer-Aufsätze.] Kurzum, schon wieder nix mit der vielgepriesenen Ruhe.

So viele Nachrichten, so wenig Nerven …

Und dann mag abschließend doch tatsächlich mehr Ruhe einkehren als sonst. Keine sozialen Verpflichtungen, keine Termine außer Haus, überschaubare Workload und machbare Zusatzarbeiten. Alles aufgeräumt und sauber, kaum Beschäftigungstherapie übrig. Es bleibt Zeit fürs Lesen, eine Doku auf Netflix, und einfach ein bisschen Entspannung. Aber da spielt dann der Kopf nicht mit. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich hänge seit über eine Woche am Newsticker. In den letzten zehn Tagen habe ich die Regionalnachrichten öfters gelesen als in den letzten zehn Jahren. Ich schaue keine TV-Nachrichten, aber alle wichtigen Kanäle haben eine umfassende Onlinepräsenz – wenn es mich auch nur ansatzweise interessieren würde, könnte ich mit Ronaldinho seinen Vierziger im Knast per Liveübertragung feiern, so toll geht’s hier online ab. Zu toll fast schon. Wer aber permanent am Newsticker hängt, findet wenig Ruhe, zumindest meiner persönlichen Erfahrung nach. Also lieber die Push-Meldungen wieder abbestellen und bewusst einmal täglich Nachrichten checken. So ist die Nachrichtenflut deutlich besser zu bewältigen, und die FOMO-Symptome nehmen deutlich ab.

Wie kommt also irgendwer drauf, dass die Welt stillsteht? Weil die Wirtschaft Einbußen einfährt? Weil kaum Autos auf den Straße unterwegs sind? Weil all die oh-so-wichtig Immer-Busy-Leutchen, die aus jedem Kaffeetreff ein organisatorisches Großereignis machen, ihre Busy-ness jetzt mal hinter verschlossenen Türen ausleben können? Weil es eine schöne Analogie ergibt? Weil es manchen Menschen Angst macht und bad news are good news also raus mit allen Headlines dieser Art? Weil es grad ein bisschen anders aussieht als sonst und das ist eine absolute Sensation? Weil der arme Planet sich jetzt mal ein paar Wochen von einigem Dreck, mit dem er sonst zugemüllt wird, erholen darf, und eine Ruhephase für die Natur ist mit Stillstand gleichzusetzen?

Nö, ich nehme das wahrscheinlich alles zu wörtlich. Konfrontiert mit Dingen, die wir nicht kennen, fällt es oft schwer, die passenden Worte zu finden. Wofür sonst gibt es Analogien, Metaphern und beschissene Marketingsprüche? Die Welt steht nicht still, nur weil ‘wir’ sie zur Abwechslung mal ein bisschen in Ruhe lassen (optimistisch umschrieben) – aber für uns steht sie still, weil wir gerade in den Hintergrund treten, wortwörtlich. Menschenleere Straßen, geschlossene Geschäfte, leere Autobahnen – wo wir sonst so besonders präsent das Geschehen dominieren, sind wir derzeit abwesend. Das gibt Raum für Ruhe, vermeintliche Ruhe, vorläufige Stille, schlagzeilenwirksamen Stillstand.

Selbst wenn im Hintergrund vieles weitergeht. Und unser Gedankenkarussell auf Hochtouren läuft. 

Grüße aus der Sperrzone – passt gut auf euch auf!

Bullet Journal im Traveler’s Notebook – Vertrautes mal anders

Traveler's Notebook schwarz mit Gummiband geschlossen

Wie in meinem letzten Februar-Update zu lesen, habe ich trotz Low Buy eine nicht unwichtige Neuanschaffung getätigt, die mir bei meiner Selbstorganisation noch besser helfen soll. Mit Arbeit, Dissertation und freiem Schreiben auf drei Baustellen unterwegs, ist mein permanent überreiztes Binsenhirn auf eine gutes Notizen-Fundament angewiesen, damit überhaupt irgendwo irgendwas weitergeht. Bullet Journals und ähnliches sind seit vielen Jahren nicht umsonst erfolgreich, und wir haben wohl alle unsere Erfahrungen mit verschiedenen Notizsystemen, analog und digital, gemacht. Digital ist nicht meines, deshalb analog – da aber dringend, umfassend, immer und überall.

Um das grundlegend zu gewährleisten, führe ich ja seit etwas mehr als zwei Jahren ein Bullet Journal und bin mit dem System an sich sehr zufrieden. Manches brauche ich mehr, manches weniger, und auf manches kann ich auch verzichten, aber die Idee, sich sein ganz eigenes System für Notizen, Kalender und Brainstorming aufzubauen, hilft mir auf jeden Fall enorm, nicht die Übersicht zu verlieren. Das absolut wichtigste an der Bullet-Journal-Methode ist für mich ist die individuelle Gestaltung des Kalenders; je nachdem, wie viel Platz ich für meine Termine und Notizen brauche, kann ich meine Wochen- und Tagesübersicht gestalten. Auf Pinterest und Instagram finden sich unzählige Designvorschläge und Anregungen, von denen auch ich schon viele ausprobiert habe, um was passendes für meine Bedürfnisse zu finden. Mit einem Bullet Journal von Dingbats habe ich in vielen Bereichen auch das perfekte Notizbuch gefunden außer eben in einem: dem Format.

Ich nutze am liebsten schmale Notizbücher, wie etwa die von Moleskine – deren Papier aber wiederum zu dünn für manche Zeichen- und Maleskapaden meinerseits ist. Deshalb dann Dingbats – nachhaltig, schön und dickes Papier. Aber: breit. Normal breites A5-Format, aber mir eben eine Ticken zu breit. Zumindest, wenn ich die Wahl habe. Und die habe ich vor kurzem gefunden.

Travelers Notebook aufgeschlagen und zu
Mein Traveler’s Notebook in schwarz. Der Stifthalter ist von Leuchtturm und zum Einkleben, für meine Kaweco Classic Sport aber recht unsportlich eng.

Vorhang auf für das Traveler’s Notebook

Schmal ist es auf jeden Fall, das Traveler’s Notebook der Traveler’s Company Japan, das früher von Midori vertrieben wurde. Die sind heute vor allem für die Inserts oder Refills des Notebooks – das ja eigentlich bloß ein Ledereinband für die individuell zusammenstellbaren Notizhefte und Inserts ist – zuständig. Ich habe mein Traveler’s Notebook in schwarz und der Standardgröße erstanden, inklusive dreier Notebooks (eines davon war inklusive) sowie dem Zipper Pocket Insert, das ich für verschiedenen flachen Kleinkram benutze und sehr empfehlen kann. Mit 12 cm statt 16 cm Breite ist das TN vier Zentimeter schlanker als mein Dingbats-Bullet-Journal, wenn es ein wenig gefüllt ist sogar nochmal etwas schmäler. Vom haptischen Erlebnis her also genau das, was ich wollte. Und auch sonst gefällt es mir in der Handhabung sehr gut.

Mit knapp über 70 Euro hat diese Anschaffung meine Low-Buy-Vorsätze natürlich ausgereizt. Mir ist bewusst, mit welchen Vorgaben und Vorstellungen ich in diese Challenge gegangen bin und eine Investition in diesem Ausmaß war da nicht geplant. Aber nachdem ich das Notebook jetzt gut vier Wochen in Verwendung habe – zwei davon als Bullet Journal – kann ich sagen, dass es sich amortisieren wird, wenn nicht finanziell, dann zumindest in der praktischen Handhabung.

drei notizhefte einbaende bunt gestaltet
Meine drei Notizbücher fürs TN: eines für die Organisation, eines fürs Kreative und eines fürs Hirn.

Ein etwas anderes Bullet Journal

Die drei Notizhefte in meinem Traveler’s Notebook habe ich in die Bereiche Bullet Journal, (freies) Schreiben und Dissertation aufgeteilt. Wenn ein Heft voll wird, muss nicht alles ausgetauscht werden, sondern nur das betreffende Heft. Das ist mit die beste Änderung, die ich mir von dem Wechsel auf ein neues System verspreche. Da ich mein Bullet Journal für praktische alles außer Uni- und Dissertationsnotizen nutze, waren meine Notizbücher in der Regel immer recht flott voll. Das wird wahrscheinlich mehreren so gehen und auch von Ryder Carroll thematisiert, und vielen ist das wahrscheinlich völlig egal. 

Ich bin allerdings eine ganz große Listenschreiberin. Ich führe Listen zu jedem Gehirnfurz, der sich äußern und festgehalten werden möchte, und meinem Binsenhirn sei Dank, sind selbst die doofsten Listen für mich oft sehr nützlich. Allerdings habe ich natürlich nicht immer die Nerven, all meine Listen immer von einem Bullet Journal ins nächste zu übertragen. Ein Post-It, Notiz dazu mit Verweis auf altes Notizbuch – muss reichen. Muss reichen? Ne, natürlich nicht, denn Binsenhirn sagt “out of sight, out of mind”, und das war es dann mit der Freude an der sinnvoll-doofigen Listenführung.

Und hier erhoffe ich mir nun umfassende Fortschritte: Das Bullet Journal in meinem Traveler’s Notebook verwende ich hauptsächlich als Planner, Notizbuch und Kalender. Für mein Tagebuch und meine Listen bleibt mir mein Dingbats-Notebook, und je nachdem, wie gut diese Trennung der Angelegenheiten für mich funktioniert, werde ich diese Aufteilung auch so weiterführen. Immerhin war ich immer GANZ BESONDERS bedacht darauf, mein Bullet Journal nicht irgendwo mal aus Versehen liegen zu lassen, da es ja auch mein Tagebuch ist. Wenn ich meine innersten Gedanken nicht verbal mit Freunden, Kollegen und Fremden teile, dann möchte ich das auch schriftlich nicht – schon gar nicht unfreiwillig. Und auch meine Listen machen jetzt wieder mehr Sinn, weil ich weiß, dass ich sie nicht alle paar Monate neu übertragen muss. Vielleicht sollte ich auch einfach lernen, mit weniger Listen auszukommen …?

Egal, vorerst gibt es jetzt also zwei Haupt-Notebooks, und ich kann mir in den kommenden Wochen und Monaten ansehen, wie das für mich funktioniert. An der Wochen- und Tagesübersicht bei meinem Bujo muss ich noch ein wenig tüfteln – mein Lieblingslayout hat im neuen Notizheft keinen Platz mehr, deshalb ist es Zeit für neues. Womöglich mache ich in Zukunft jede Woche ein Layout, wie es Cissy’s Art Cafe und Sarica Studio in ihren YouTube-Videos zeigen. So hätte ich die Möglichkeit einer Wochenübersicht mit anschließenden “freien” Listen, die so lange werden können, wie sie sollen. Ich werde es mal probieren und schauen, wie es mir passt. Immerhin ist so ein Bullet Journal ja sowieso ein Platz, um Neues auszuprobieren und rauszufinden, was einem gerade am besten gefällt. Und sowas kann sich ja auch immer mal wieder ändern.

aufgeschlagenes notizbuch mit wochenübersicht
Meine Wochenübersicht für März – es ist noch Luft nach oben …

Dadurch dass ich nun auch meine Uni- bzw. Dissertationsnotizen immer dabei habe, kann ich in dem Bereich jetzt ebenso spontan mal eine Idee oder einen Gedanken festhalten, wenn ich gerade keine Zeit habe, um es genauer auszuführen. Das ist ganz im Sinne meiner – mittlerweile überwiegend – regelmäßigen Beschäftigung mit diesem Lebensbereich. Schließlich soll in diesem Jahr der Rohfassung die ihr gebührende Aufmerksamkeit zuteil werden, und da braucht es jedes Hilfsmittel, das ich nutzbar machen kann, damit das klappt. Damit …
Aber ich bin zuversichtlich. Mit allen Auf und Abs habe ich dieses Jahr schon gute Fundamente geschaffen, an denen ich jederzeit weiterarbeiten kann, mal mehr und dann halt auch mal wieder weniger. Der Umstand, dass meine Diss jetzt auch in meinem Alltag in Form meines Bullet Journals/Notebooks so präsent ist, ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Alles weitere wird sich weisen …

Long story short (mal wieder): Bis jetzt bin ich von meinem neuen Traveler’s Notebook sehr begeistert und nutze es gerne. Auch als Bullet Journal hat es sich bis jetzt bewährt, wobei ich die letzten Tage krank war und es daher noch nicht so ausführlich weiter ausprobieren konnte, wie ich es gerne getan hätte.
Krankheitsbedingt kommt dieser Post übrigens auch verspätet – Asche auf mein Haupt. Und gute Gesundheit für alle – dringend nötig derzeit.

Mehr oder Weniger? Mein Low Buy Februar Update

Midori Traveler's notebook ausgepackt
Asche auf mein Haupt: Ich habe diesen Monat was neues gekauft.

Ein weiterer Monat mit selbstauferlegtem Konsumverzicht liegt hinter mir und im Rückblick muss ich doch zugeben, dass es ein wenig anders gelaufen ist, als ich mir gedacht hatte. Aber das ist ja nichts neues.

Versuchung oder Verbesserung?

Über eine kleine Heldinnentat bei großer Versuchung habe ich diesen Monat bereits berichtet. Doch darüber hinaus hat sich noch eine weiterer potentieller Neuerwerb eingeschlichen, der nach viel grübeln und diskutieren zum tatsächlichen Neuerwerb wurde: ein (ehemals Midori) Traveler’s Notebook der Traveler’s Company Japan.

Über die Vorzüge des Bullet-Journal-Konzepts für mein ADHS-Hirn habe ich an anderer Stelle bereits kurz berichtet. Dass es sich im Laufe der letzten (bald) zwei Jahre tatsächlich als Segen für meine zerpflückte Wahrnehmung erwiesen hat, praktisch alles in ein Buch zu packen und in diesem völlig frei nach meinen Bedürfnissen und Vorstellungen gestalten zu dürfen, hat mich von der seit langem gehypten Bullet-Journal-Methode überzeugt. Über die Jahre haben sich aber natürlich auch bestimmte Muster entwickelt, die für mich das Bullet Journal eben besonders wertvoll machen, allerdings auch dazu beitragen, dass es womöglich nicht von Vorteil ist, es absolut überallhin mitzunehmen oder genau so zu verwenden, wie ich es derzeit tue. Zum einen ist das der Umstand, dass ich mein Bullet Journal auch als eine Art Tagebuch verwende und sich darin dementsprechend sehr persönlich Einträge finden. Das möchte man ja dann doch nicht unbedingt im Büro liegen lassen. Zum anderen führe ich relativ viele fortlaufende Listen – Bücherwunschlisten, Podcast-Trackers, Kochinspirationslisten u.v.m. – die ich jedes mal wieder in eine neues Bullet Journal übertragen muss, wenn ich nicht zwischen zwei alten und einem neuen Journal hin- und herspringen möchte. All das ist Jammern auf hohem Niveau, aber nichtsdestotrotz eine Überlegung.

Der Held meines Herzens hatte sich vor einiger Zeit ein Grand Voyageur XL von Paper Republic gekauft, dessen Prinzip – verschiedene Notizhefte zu unterschiedlichen Themen in einem Einband zusammengebracht – mir zwar gut gefallen hat, nicht aber das Format, ein klassischer A5-Einband. Ich verwende zwar für mein Bullet Journal ebenfalls ein A5 Notizbuch von Dingbats, das ich vor allem wegen der ausgezeichneten Papierqualität und dem Nachhaltigkeitsansatz des Unternehmens schätze, das mir aber eigentlich ebenfalls zu breit ist. Mein Lieblingsformat ist das der klassischen Moleskine-Notizbücher, deren Papier aber wiederum so dünn ist, dass das Durchscheinen von Stiften und Tinte leider ein wenig too much für meinen Geschmack war.

Auf Instagram (wo sonst) kam mir nun das Traveler’s Notebook der Traveler’s Company Japan (ehemals Midori) unter, das eben jene Idee der verschiedenen Notizhefte mit einem für ich absolut traumhaften Format vereint. Ein kleiner Laden vor Ort hatte das Traveler’s Notebook inklusive verschiedener Notizhefte und Zubehör lagernd und nach langen Überlegungen und Diskussionen mit dem inspirierenden Held meines Herzens habe ich dann tatsächlich auch zugeschlagen. Seit zwei Wochen stelle ich mein Traveler’s Notebook zusammen, seit heute (1. März) geht es nun auch als Bullet Journal an den Start. Wie es sich bewähren wird, was mein erster Eindruck ist und wie ich dieses Notebook-System für mich verwende, möchte ich in einem eigenen Post näher betrachten.

Für diesen Post sei festgehalten, dass ich mit mir gerungen habe, ob dieser Kauf wirklich gerechtfertigt ist. Wer selbst gerne mit Notizbüchern und Journals arbeitet weiß, dass es nicht immer leicht ist, ein gutes System für sich selbst zu finden. Für manche ist es völlig egal, welche Art von Notizbuch sie nutzen, Hauptsache, es ist aus Papier und sieht gut aus. Andere wiederum probieren verschiedene Formate, Papierstärken, Hersteller, Designvorstellungen und mehr. Meine Herangehensweise liegt irgendwo in der Mitte. Aber offen für Verbesserungsvorschläge bin ich fast immer. So nun auch hier. Trotz Low Buy Jahr. 

Ein kleiner Kompromiss

Um den Kauf des Notebooks zumindest irgendwie zu kompensieren, gab es diesen Monat keine neuen Bücher. Damit will ich nicht signalisieren, dass Buch doch Buch ist, egal ob “Notiz-“ davor steht – das wäre Augenwischerei. Vielmehr möchte ich so doch Bewusstsein für das Motto dieses Jahres schaffen, in dem es eben gerade darum geht, dass nicht alles geht. Wenn ich etwas Neues entdecke, von dem ich mir eine deutliche Verbesserung in wichtigen Bereichen meines Lebens verspreche, dann soll auch in diesem Low Buy Jahr Platz für eine entsprechende Anschaffung oder Neuerung sein – deshalb ist es ja schließlich auch ein Low Buy und kein No Buy Jahr, das wäre mir tatsächlich zu eng gewesen. ABER – und hier folgt ein sehr großes ABER – es bleibt bei einem Jahr, in dem die Neuentdeckung und Nutzung dessen, was ich bereits besitze, vor dem ständigen Neuerwerb von Dingen, die ich eigentlich irgendwie ähnlich bereits besitze und dementsprechend nicht brauche, Vorrang hat. Was bisher auch sehr gut klappt. Und auch weiterhin gut klappen soll …

Um diese Abweichung vom vorgegebenen Kurs also zumindest anzuerkennen, gab es nun diesen Monat kein einziges neues Buch für mich. Was ich auch gut überlebt habe, schließlich habe ich drei Regale voll mit vielen tollen Geschichten, die nur darauf warten, unter all den Stapeln an ungelesenen Neuerwerbungen ebenfalls entdeckt zu werden. Vier Tage viraler Infekt gaben Anlass genug, mal wieder ein wenig zu stöbern, zu finden, zu lesen und zu erkennen, dass vielleicht doch nicht alles so toll ist, was da wartet. Aber das ist gut so, weil ganz normal. Und trotzdem interessant.

Sonst was neues?

Abgesehen von tiergehenden Gewissenskonflikten und großen Versuchungen war mein Februar ein angenehm unaufgeregter Monat. Ein paar Geburtstage, ein paar Rechnungen, aber ansonsten keine nennenswerten Abenteuer. Ich konnte mich noch nicht zur Budgeterstellung motivieren, vermute (und/oder hoffe) aber, dass ich mein Sparziel dieses Monat ohne gröbere Einschnitte erreicht habe.

Verabredungen zum Essen und etwaige Einladungen lagen innerhalb meiner Kalkulationen und somit im Rahmen dessen, was ich dieses Jahr so machen “darf”, um die gemeinsame Zeit mit lieben Menschen nicht bei einem Glas Wasser und trockenem Zwieback bestreiten zu müssen. Die Essensplanung trägt weiterhin zur Übersichtlichkeit der Ausgaben bei und außer ein wenig Bastelzeug, das ersetzt bzw. neu angeschafft wurde, gab es keine gröberen monetären Verluste zu beklagen.

Der Start in den März ist also ein optimistischer, in mehrfacher Hinsicht. Ob sich der Optimismus halten lässt, wird sich noch zeigen, schließlich sind unsere Wege ja dann doch oft ein wenig verschlungener und aufregender, als wir uns das so vorstellen. Es bleibt uns allen, das beste daraus zu machen …

Als denn, dann wollen wir mal :)

  

Über große Versuchungen und kleine Heldinnentaten – shoppen und Low Buy?

Zwei Katzen auf Bett Collage
“Versuchung” zu verbildlichen ist so eine Sache – da lieber ein bisschen good vibes mit Katzenbild :)

Ich möchte ja dieses Jahr nur das Nötigste kaufen. Das sich natürlich variabel definieren lässt, danke der von mir definierten Regeln aber schon in Grundzügen recht gut skizziert ist. Neues und nützliches mag sich noch innerhalb des Regelwerks begründen lassen, neues und bereits vorhandenes jedoch nicht mehr. Das weiß ich auch – immerhin habe ich meine Regeln ja selbst definiert. Um runterzukommen, abzuschalten, nachhaltig auszumisten und zu lernen, dass ich andere Bewältigungsstrategien entwickeln muss außer einkaufen. Und das funktioniert auch seit dem Start dieses ‘Abenteuers’ recht gut. Sind aber auch erst knapp acht Wochen, es bleibt also Raum für Versuchungen – und Verbesserungen. Verbesserungen wird es noch zahlreiche geben, Versuchungen waren aber schon da. Ziemlich ordentlich sogar.

Vor gut zwei Wochen (der Post hinkt unserer Zeit grippebedingt leider eine Woche hinterher …) war Wiedersehensfreude angesagt, nachdem eine liebe Freundin von einer mehrwöchigen Rundreise ENDLICH zurückgekehrt war und wir das natürlich erstmal gebührend feiern wollten. Mittags schön essen gehen und danach noch ein paar Dinge in der Stadt erledigen, sprich shoppen. Ganz so wie bei unserem letzten Treffen vor ihrem Urlaub – letztes Jahr.

Nun ist es ja nicht so dass ich in den letzten acht Wochen keinen einzigen Laden von innen gesehen hätte. Zum einen gibt es da liebe Menschen in meinem Leben, die Geburtstag haben und trotz Low Buy beschenkt werden sollen. Dann ist es auch so, dass wir (der Held meines Herzens, unsere Fluffys und ich) ab und an Dinge benötigen: ein neues Notizbuch, eine spezielle Zutat für die vegan Küche, Katzenspielzeug, Bastelutensilien u.v.m. Kurzum, nur mit Supermarkt und Drogerie ist es nicht getan. Außerdem habe ich ja auch noch mein Buchbudget, das mich ebenfalls in analoge und digitale Buchläden führt, ohne dass ich gleich alle Vorsätze über Bord werfe. Ich bin also schon ein wenig geeicht, wenn es um Low Buy Shopping geht. In Woche 6 habe ich aber tatsächlich beinahe eine Grenze erreicht, als ich mit meiner Freundin glücklichst wiedervereint durch die Läden marschiert bin.

 

Shopping = Versuchung?

Der Grund dafür war eigentlich recht banal und ist vielen bestens bekannt: ein Lieblingsladen, den man immer gerne unterstützt, eine schönes Produkt und Winterschlussverkauf. Eine Kombination die schon manche dazu verführt haben, doch mal ein bisschen mehr als geplant auszugeben. Mich auch. Sogar diesmal. Fast. Wer sagt schon gerne nein zu einer schönen, bequemen, nachhaltig produzierten und um die Hälfte reduzierten schwarzen Hose? Shoppen mit gutem Gewissen und dann noch finanzfreundlich? Wunderbar! Ich hatte die Hose an. Ich stand vor diversen Spiegeln, wurde von meiner Freundin und der Verkäuferin mit Komplimenten beglückt, war fast schon begeistert. Meine Freundin probierte andere Modelle der gleichen Hose und wird haben getauscht um zu sehen, wem welches Modell besser passt. Es war also nicht bloß unmotiviertes Schwächen, es war eine animierende Dynamik, die Begeisterung meiner Freundin für die Hose, die mich mitgerissen hat.

Long Story short: Ich habe die Hose natürlich nicht gekauft. Ich habe ausreichend schwarze Hosen, die mir gut stehen und die bequem sind, in meinem Schrank, es gibt also keinen Grund innerhalb meines Low Buy Jahres noch eine zu kaufen. Zudem sah die Hose an meiner Freundin deutlich besser aus als an mir, was zwar die beste Werbung für die Hose ist, aber meine guten Absichten nicht gefährden soll. Und zuletzt hätte ich zwar gerade in diesem kleinen Laden gerne ein wenig Geld gelassen, aber das alleine ist kein Grund, Dinge zu kaufen, die man nicht brauchen kann. Denn das ist mir in einer ruhigen Sekunde in der Umkleidekabine klar geworden: Ich hätte LUST und LAUNE gehabt, diese Hose jetzt zu kaufen, aber keine Notwendigkeit. Und diesem Muster bin ich in den letzten ein, zwei Jahren zu oft gefolgt. Es ist genau das Muster, das ich aufbrechen möchte. Also: keine Hose, aber dafür gute Laune.

Und ein kleinbisschen Stolz, dass ich meine Ziele nicht aus den Augen verloren habe und diese treu geblieben bin. Vorerst mal zumindest. Das Jahr ist noch jung und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass momentane Launen und Impulse mich in Richtungen verleiten werden, die lieber vermeiden möchte. Ich hoffe, ich habe auch dann ein paar ruhige Sekunden um rauszufinden, wie es jetzt tatsächlich weitergehen soll.

 

Vermeiden oder Durchstehen?

Ich bin nach wie vor kein Fan von Hardcore-Vermeidung. Das würde nämlich unter anderem auch bedeuten, dass ich praktisch mit Scheuklappen durchs Leben gehen müsste, und das ist für mich einfach nicht realistisch. Natürlich werde ich jetzt nicht Stunden meines Lebens auf Zalando verbringen, aber dass ich mal ein eine Buchhandlung gehe, ohne gleich den halben Laden leerzukaufen, muss schon drin sein. So viel muss ich aushalten. Ich sehe an jeder Ecke Dinge, die mir gefallen: Klamotten, die andere tragen, Rucksäcke, Schuhe, schöne Teekannen, Bücher und so vieles mehr, was mir gerade nicht einfallen will. Ich konnte nie alles kaufen und haben und in diesem Jahr nochmal weniger. Also werde ich es nicht nur aushalten, Dinge zu sehen, die mir gefallen, ich werde es auch zum Anlass nehmen, mich so inspirieren zu lassen, die Dinge, die ich habe, zu feiern. Und was mir wirklich so richtig gut gefällt (und ich es aber in der Art schon besitze oder nicht für Arbeit oder Diss benötige), kommt auf meine 2021-Wunschliste. Funktioniert bis jetzt auch ganz gut!

Vermeidung finde ich aber nach wie vor im Zusammenhang mit Newsletter, E-Mails und Online-Shopping wichtig. Zum einen bin ich höchst dankbar, wenn mir nicht jeder Dreck die Mailbox zufüllt (auch nicht im Spamordner), zum anderen macht (zumindest für mich) onlineshoppen nur dann wirklich Sinn, wenn ich etwas kaufen will. Da ich aber nichts kaufen will, bin ich auch nicht auf den einschlägigen Seiten unterwegs. Natürlich gehe ich auch offline nur dann in ein Geschäft, wenn ich etwas brauche und weiß, dass ich es dort bekomme. Allerdings bin eich auch ab und an mit Freund_innen oder Familie unterwegs und kann dann nicht immer alleine entscheiden, wohin wir gehen. Was ich aber schon entscheiden kann ist, wie ich mich dort verhalte. Auf Kleiderkreisel lande ich nicht per Zufall, weil eine Freundin dort was sucht. Für Versuchungen dieser Art bin ich ganz alleine verantwortlich. Und zum Glück kann ich sie auch entsprechend eigenständig vermeiden. Hoffentlich :)

Der Februar ist bald geschafft und während mein Dissertations-Ich verzweifelt auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist (danke, liebe Grippe), in mein Low-Buy-Ich noch ziemlich zufrieden mit dem Lauf der Dinge. Besser geht immer, aber schlechter auch. Doch dazu ein anderes Mal mehr …

Weniger ist mehr – mein Low Buy Januar

Vier Buecher verschiedene Titel
Vier Bücher aus vier verschiedenen Bereichen – man gönnt sich ja sonst nichts …

Der erste Monat meiner Low Buy 2020 Challenge ist vorbei – ich habe wenig Geld sinnlos verloren, viel Zeit für Sinnvolles gewonnen und bin immer noch bester Dinge, dass das ein schönes Jahr wird. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, und schon gar nicht im ersten Monat des Jahres …

Was ich gewonnen habe

Was haben die ersten 31 Tage umfassender Konsumverzicht gebracht? Vor allem eines und das Wertvollste überhaupt: Zeit.
Wer nicht mehr stundenlang bei Kleiderkreisel, Zalando und Konsorten Zeit und Lebensenergie verpulvert, um mit sich zu hadern, wie viel Geld man eigentlich noch rausschmeißen möchte, hat plötzlich ganz viel Zeit. So richtig viel. Beinahe schon schockierend viel. Aber nur beinahe.
Ich habe schon drei Bücher Vorsprung bei meiner Goodreads-Readingchallenge 2019 und Zeit genug, um unkoordiniert zwischen vier Büchern zugleich zu switchen, je nachdem, ob es was akademisches, fiction, non-fiction oder selbstverbesserndes sein soll. Zugegeben, vier Bücher zugleich ist tatsächlich zu viel, aber das ist wohl auch der Überschwung der ersten Stunde (sozusagen).
Eine meiner wichtigsten Baustellen erlebt endlich auch wieder richtig Betrieb. Dank sinnvoller Zeitersparnis bin ich wieder richtig schön auf Linie mit meinen akademischen Zielen und komme wieder regelmäßiger zur Diss-Arbeit. Wenn ich bei aller anfänglich-euphorischen Verblendung realistisch bleibe, hoffe ich nun mal mutig auf eine Fertigstellung der Arbeit in diesem Jahr – schon alleine, weil die Einbindung in eine Forschungsinitiative seit letztem Herbst zu solch sozialen Überforderungszuständen führt, dass ich jetzt dann wirklich die Nerven wegwerfe, in mehrfachem Sinne … Gruppenarbeit hat also tatsächlich ihr Gutes, wenn auch nicht immer in die gewohnte Richtung.
Neben einer absoluten Leistungssteigerung im akademischen Bereich schreibe ich auch generell wieder regelmäßiger. Im Großen und Ganzen arbeite ich beinahe täglich mit und am Text (nicht nur im Büro), sei es akademisch oder weltlich, und das ist ein Gewinn nicht nur im Vergleich zum letzten, sondern zu den letzten Jahren. Zusammen mit meinem neuen Lesepensum lebe ich also insgesamt wieder mehr in einer Textwelt fernab vieler (realer) Menschen und Begebenheiten, und das alleine macht mich richtig glücklich – so kitschig das jetzt auch klingen mag.
Jenseits der (fachlich teils sehr) praktischen Umstellungen bin ich überhaupt rundum wieder ein wenig kreativer. Sei es, dass ich an Illustrationen, Doodles oder Handlettering in meinem Bulletjournal arbeite oder nun doch endlich den Mut gefasst habe und schrittweise nach mehreren Probedurchgängen meine Kanken besticke – es wird bunter, vielfältiger, unterhaltsamer und damit auch viel entspannter bei mir. Auf meine Weise, in meinem Tempo und meistens als Insel. Aber immer mit Anlegestation.

Kankenstickerei
Mut (und Geschmack) kann man sich nicht kaufen, Garn schon: hier mein bestickter Kanken.

Was ich verloren habe

Wo sehe ich nach einem Monat Konsumverzicht Verluste? Immer noch beim Geld. Die semestral bzw. alljährlich zur selben Zeit wiederkehrenden Studiengebühren haben mich mal wieder ziemlich überrascht und meinen Sparerfolg nachhaltig beschnitten. Zudem hatten wir (bzw. ich) in diesem Monat einige Verabredungen mit Freunden, die recht kurzfristig kamen und mich mehr gekostet haben als ich kalkuliert hatte (oder überhaupt in meinen Low Buy Regeln vorgesehen). Ich habe insofern also bereits im ersten Monat gegen meine eigenen Regeln verstoßen, mir diese Abende aber trotzdem erlaubt, weil ich in diesem Jahr primär aufs Shoppen als Verhaltensmuster und Kompensationsmechanismus verzichten will, nicht auf schöne Zeiten und Erlebnisse mit lieben Menschen. Dass es mich mehr finanziell mehr gekostet hat, als mir lieb ist, war nicht ideal, letztendlich aber auch eine Ausnahme, da wir (und ich) an sich recht selten auswärts essen – in diesem Bereich spare ich nämlich gerne, und das aus gutem Grund. Ich achte zwar auf die Qualität von Lebensmitteln, gebe an sich aber nicht gerne viel Geld für Restaurantessen, Take-Away und ähnliches aus, weil ich Nahrungsaufnahme eher vom sachlichen Versorgungsstandpunkt als Treibstoff und nicht als Genussmittel sehe. Dementsprechend muss es für mich nicht immer unbedingt saulecker, sondern vor allem zweckdienlich sein. Aber das ist ein anderes Thema.
Abseits von Restaurantkosten war ich auch ehrlich überrascht, wie viel Zeit (und Geld) man generell in Dinge des täglichen Gebrauchs ganz allgemein investieren kann. Trotz Mealplanning und entsprechend schlank koordinierter Einkaufsliste war ich immer noch einige Zeit in verschiedenen Läden unterwegs, weil es dann doch da mal ein Spülmittel, hier mal Brot und dazwischen noch Kartoffeln und Reis brauchte.

Insgesamt war mein Low Buy Januar also ein guter Einstieg und macht auch definitiv Lust auf mehr, an einigen Ecken gibt es aber noch Potential für Optimierungen. Mein Bücherbudget habe ich dafür nur zur Hälfte ausgenutzt, für mich ein Zeichen, dass die Idee mit dem “Nix kaufen” rundum wohl gar nicht so schlecht war.

Was ich als nächstes vorhabe

Februar sollte vor allem finanziell überschaubarer werden. Ich muss Fahrtkosten für eine Reise im April zahlen und die Jahresgebühr für eine App, die ich mir für ein weiteres Jahr gönne, aber darüberhinaus gibt es keine größeren Ausgaben und das möchte ich gerne so halten. Auch an der Essensfront möchte ich den Februar ein bisschen ruhiger halten, zur Abwechslung mal kein Take-Away und Essen gehen nur zu wirklich besonders besonderen Anlässen. Im Idealfall spare ich mir dann sogar mein Bücherbudget. Schließlich steht das Lesejahr 2020 unter dem Motto “Rediscover the shelves”, und in meinen Regalen gibt es so viele spannende Sachen wiederzuentdecken, dass man schon mal ein, zwei oder sogar mehrere Monate mit Neuanschaffungen auslassen kann … Aber das wird sich noch zeigen. Jetzt erst mal Februar, dann sehen wir weiter.
Aber nicht nur im finanziellen Bereich gibt es spannende Entwicklungen, auch die Alltagsgestaltung bietet so viele neue Möglichkeiten. Vor allem möchte ich meine neugewonnene Zeit vermehrt in mich selbst investieren und zumindest dreimal wöchentlich zum Sport gehen oder irgendwas ansatzweise sportliches vollbringen – also mehr als nur mit dem Rad zur Arbeit oder das gute alte Treppe-statt-Aufzug. Wahrscheinlich wird sich das mit der Zeit sowieso einpendeln, wenn es wieder ein bisschen wärmer wird und man ohne Spezialausrüstung auch mal einfach schnell eine Runde um den Block laufen kann. Aber es sich vorzunehmen und irgendwo festzuhalten kann ja auch nicht schaden.

Der Euphorie bezüglich neugewonnener Zeitfenster wird die alltägliche Einsicht folgen, dass dies nun bleibt und entsprechend neu bespielt werden darf – und soll. Der Fokus liegt auf meinen akademischen Zielen, wo ich endlich ein stark gedimmtes Licht am Ende des sehr langen Tunnels sehe und hier schnellstmöglich entsprechende Arbeitsgewohnheiten etablieren möchte.
Alles weitere wird folgen …

Ich brauch mal ‘ne Pause: Low Buy 2020

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Weihnachten ist ja generell nicht so meine Zeit, zum einen, weil ich als Atheistin da nicht wirklich was zu feiern habe und zum anderen, weil ich als Introvert deluxe kein Fan von Menschenaufläufen bin – weder in der Innenstadt noch im eigenen Wohnzimmer. Und auch wenn ich selbst Weihnachten dementsprechend auch eher einfach an mir vorüberziehen lasse, entkomme ich dem allgemeinen Weihnachtswahnsinn – vor allem ganz banal auf meinem Arbeitsweg – nicht ganz. Wobei ich mit “Weihnachtswahnsinn” ja eigentlich “Shoppingwahnsinn” meine, eh klar. Hinzu kommen dann auch noch die eigenen Lebensaktivitäten, sprich Kompensations- und Alltagskonsum, die mich immer mal wieder vor die Tür und zumindest bis zum innerstädtischen Postamt treiben. Alles in allem enorm anstrengend und massive First World Problems, aber vor allem auch zu viel. Mir zumindest. Ich brauch ‘ne Pause.

Dringend.

Schließlich kämpfe ich ja schon seit einigen Monaten meinen eigenen Shopping-Gewohnheiten. Von Schulden und einer kunterbunten Kreditkartenpalette bin ich zwar weit entfernt, aber trotzdem wurde ich mir in diesem letzten, nun vergangenen Jahr, einfach ein bisschen zu viel. Ja, berufliche Veränderungen, neue Herausforderungen und familiäre Um, Un- und Ausfälle harmonieren nicht so mit Angststörung & Co. – aber das kann keine Entschuldigung für alles sein. Und schon gar nicht für eine beinahe grenzwertige Auswahl an Vintagetaschen und -rucksäcken, die einem kleinen Secondhand-Laden in Hipsterhausen zur Ehre gereichen. Muss nicht sein. Schon gar nicht, wo ich doch erst vor wenigen Jahren dieses wunderbare Konzept des Minimalismus für mich entdeckt habe – weniger ist mehr, vor allem im Außenwelt-Ausstattungsbereich. Da reduziere und decluttere ich Jahre fröhlich vor mich hin, nur um mich von familiären Sorgen und professionellen Weiterentwicklungen in den Kompensationskaufswahnsinn abdrängen zu lassen. Weil, was sind wir nicht hyperängstlich, panisch, traurig und schlichtweg überfordert. Und lassen uns nichts anmerken, klar. Aber Kleiderkreiseln, dass die Schwarte kracht. Abartig absurd und anstrengend. Für mich, mein Wohlbefinden, meine wertvolle Lebenszeit und meinen Kontostand.

Low Buy 2020 – mit ein paar Regeln

Long story short: neues Jahr, neue Chance. Inspiriert von diversen YouTube-Videos und (vor allem) englischen Blogs zu dem Thema schließe ich mich dem Motto von useless_dk, #2020wehaveplenty, and und starte in meine persönliche Low Buy Challenge für 2020. An sich beabsichtige ich in den kommenden zwölf Monaten nichts zu kaufen außer Lebensmittel, Drogerieartikel und Dinge des täglichen Lebens, die im Laufe der Zeit ausgehen und ersetzt werden müssen.

  1. Ich werde keine Klamotten, Schuhe, Taschen oder Rucksäcke, keine Dekoartikel, kein Geschirr (ich kann mir meiner Tassensammlung locker ein kleines Festival ausrichten…), keine Videospiele, Accessoires, Washi-Tapes und sonstigen ‘Plunder’ kaufen. Ich darf mir selbst was nähen oder stricken mit den Materialien, die ich zu Hause habe. Es gibt keinerlei Impulskäufe und und kein Langeweile-Shoppen. Ganz allgemein kaufe ich nur Sachen, die ersetzt werden müssen, was, wie bereits erwähnt, Dinge des täglichen Lebens und Lebensmittel umfasst – KEINE Klamotten oder ähnliches.
  2. Lieferdienste dürfen maximal zweimal monatlich kommen, ansonsten wird gekocht.
  3. Unternehmungen mit Freunden und Familie, zu denen auch gemeinsame Restaurantbesuche zählen, sind auch okay, schließlich bin ich an der Sozialfront ja ohnehin nicht unbedingt die wildeste Rampensau, da will ich die paar Events im Monat nicht komplett streichen.
  4. Dazu zählen auch Urlaube, die ich ebenfalls als Erlebnis verbuche und deshalb in Ordnung sind. Nicht dazu zählt Urlaubsshopping – eh klar.
  5. Ich halte alle meine Ausgaben in meinem Bullet Journal fest, damit ich auch einen Überblick habe, wohin das Geld verschwindet, das ich ausgebe.

Ziel ist vor allem, mich wieder auf Kurs zu bringen, weil ich Zeit, Energie und auch Geld mit unnötigem Bullshit verschwende. Angenehmer Nebeneffekt und zusätzliche Motivation sind die finanziellen Einsparungen, die direkt in meinen Sparstrumpf wandern – ich hoffe, meine Wunschsumme in den kommenden zwölf Monaten zu erreichen. Mal schauen.

“Low Buy” nenne ich das Ganze vor allem deshalb, weil ich mir eine Ausnahme in Form eines monatlichen 50-Euro-Buchbudgets erlaube. Lesen ist mein längstes und liebstes Hobby, ich werde in den kommenden Monaten eventuell auch mal das ein oder andere Buch für meine Diss oder den Job kaufen müssen, was ich ohne schlechtes Gewissen tun möchte. Die Wiederentdeckung der Buchschätze, die ich schon habe, steht zwar definitiv im Mittelpunkt der Low Buy 2020 Challenge, aber ich möchte mir hier die Möglichkeit offenlassen, meinen Interessen folgen zu können. 50 Euro für Bücher monatlich bedeutet schließlich nicht, dass ich hier wahllos shoppen kann. Das Budget verlangt durchaus ein wenig Planung und das Hinterfragen von Prioritäten. Es bleibt also auch da spannend, wo ich sogar ein wenig einkaufen darf. Nur eben “darf” – ohne Ausreden beruflicher oder akademischer Natur, die ein eigenartiges Gefühl hinterlassen…

Als denn, ich mach jetzt mal Pause. Ich mag nicht mehr, ich will mehr für weniger und dafür wertiger. Klingt eigenartig, aber macht Sinn. Schauen wir mal, wie es laufen wird… 

Marie Kondo eröffnet einen Onlineshop

… und schon ist die Kacke am Dampfen, in vielerlei Hinsicht.

Marie Kondo räumt für andere Leute aus und um und organisiert die Dinge ihres Lebens und Hausens. Vor einigen Jahren hat sie dazu ein Buch geschrieben – Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert – und dann noch gleich zwei weitere zum selben Thema nachgelegt, weil das in den Marketingabteilungen dieser Welt gerne so gemacht wird, Motto: da geht noch was. Als Beispiel sei hier etwa Allen Carr mit seiner Endlich Nichtraucher-Reihe (später dann auch Endlich schlank u.ä.) zu nennen. Und auch Mark Manson hat “fuck” zum Lebensmotto erhoben, digital wie analog – eben hauptberuflich lässig. Es darf also getrost das gleiche KonMari-Konzept in neue Marketing-Mäntelchen gekleidet werden, immerhin ist ihre Botschaft eine recht interessante, die auch mir das Leben schon massiv erleichtert hat: Menschen besitzen zu viele Dinge und werden von diesen erdrückt – finde heraus, was dir besondere Freude bereitet (im Englischen schöner umschrieben mit der Formulierung “find the things that spark joy”) und entledige dich des Rests, um Ordnung und Platz für die freudigen Dinge des Lebens zu schaffen. Wie gesagt, auch ich komme mittlerweile entspannter durchs Leben, weil um recht viel Plunder erleichtert. In diesem Sinne: danke Marie Kondo!

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Freude schöner Götterfunken, neue Bücher gibt’s auch bald wieder …

Nun hat Kondo mittlerweile nicht nur drei Bücher und eine Netflix-Show im CV (neben ihren beruflichen Erfahrungen prä-KonMari), sondern vor kurzem auch ihren eigenen Onlineshop eröffnet, was ihr vor allem aus der Lifestyle-Community, aber auch ganz allgemein Schimpf und Häme eingebracht hat. Auf mehreren Ebenen stellt sich allerdings die Frage, warum das so ist.
Die seit einigen Jahren sehr erfolgreiche Minimalismus-/Bewusster-Konsum-/Slow-Living- und Fair-Fashion-Welle, deren verschiedene Elemente letztendlich doch immer irgendwie ineinanderzugreifen scheinen, bringt auch Marie Kondo viel Erfolg. Ihr “Spark Joy”-Konzept findet Anklang bei allen, die ihr Leben und die Dinge darin lieber sinnvoll nutzen und nicht masseverwalten wollen – auch mir hat ihr Buch ausgezeichnet geholfen, vor allem meine Klamotten und verschiedenen Tinnef auf ein für mich erträgliches Maß zu reduzieren. Bei allem Erfolg ihrer Methose hätte ich ihr Konzept aber nie so verstanden, dass man einen gewissen Anteil an Sachen wegwerfen MUSS, um nach der KonMari-Methode zufriedener und ordentlicher zu leben. Jede und jeder entscheidet selbst, was und wie viel das Haus verlässt. Unkenrufe a’la “erst räumt sie uns die Bude aus und nun will sie es mit ihrem eigenen Zeug füllen” scheinen mir in diesem Zusammenhang nicht nur übertrieben und lächerlich, sondern auch sachlich falsch. Wer seine Bude dank der KonMari-Methode ausgeräumt hat, hat diese Leistung eigenverantwortlich vollbracht und die Methode in diese Richtung angewandt.

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Eines der Produkte, das mit ein wenig Backgroundinfo womöglich mehr Sinn machen würde. Und den Horizont erweitern, was ja auch nicht schlecht ist.

Natürlich ist die Sinnhaftigkeit der Anschaffung einer Stimmgabel mit Rosenquartz für schlanke 75 Dollar für den neo-minimalistisch reduzierten Haushalt ein wenig fragwürdig. Und ob eine Teedose oder simple Hausschlappen tatsächlich 200 bzw. 206 Dollar kosten müssen, kann auch diskutiert werden. Tatsache ist, dass Kondo in ihrem Shop Designobjekte aus (selbst deklarierter) hochwertiger Produktion zu den entsprechenden Preisen anbietet. Dass sich manche Produkte dabei auch ein wenig an der japanischen Lebensart orientieren, wird bei diversen Kritiken gerne übersehen. Dass mittelmäßige US-amerikanischen Schauspielerinnen schon seit Jahren völlig überteuerten, kulturrelativistischen Ramsch ohne viel Hintergedanken sehr erfolgreich verkaufen, und sich damit ihr eigenes kleines Imperium aufgebaut haben, wird ebenso geflissentlich ignoriert. Immerhin will Gwinny ja nur, dass wir unsere Vagina dampfreinigen und uns nicht gleich den Kleiderschrank um ein Drittel reduzieren. Kondos Schritt zum eigenen Onlineshop wird verteufelt als hätte sie mit Walmart eine Partnerschaft zur Berümpelung der Welt abgeschlossen. Dabei ist sie selbst keine Minimalistin im Sinner des aktuellen Zeitgeistes – sie hilft beim Aufräumen und Organisieren von Dingen, sie vertritt die Idee, dass wir unsere Besitztümer wohlbedacht auswählen sollen, aber sie ist nicht im selben Fahrwasser wie Leo Babauta, Ryan Nicodemus und Joshua Fields Milburn oder Joshua Becker unterwegs. Sie wird nur gerne in Zusammenhang mit dieser Strömung vermarktet, weil es sich eben marketingtechnisch anbietet. Trotzdem sind ihre Beweggründe und Ziele andere. Sie also aus diesem Minimalismus-usw-Background raus zu kritisieren, macht inhaltlich weniger Sinn, als so manchen auf Instagram, Twitter, oder wo auch immer die Wellen hochgingen, klar sein mag.

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In den USA mit Zero Waste produziert – es gibt schlimmeres. Ob sich der Beutel sofort auflöst, sobald man statt Grünzeug mal Brot oder Bücher transportiert , ist ein Rätsel, das ich nicht lösen werde. 

Sportliche Geldscheffelei kann und soll immer kritisch im Auge behalten werden, keiner von uns ist über jede Kritik erhaben, auch und gerade Marie Kondo nicht. Dass sie ihre seit einigen Jahren währende Popularität auch unternehmerisch nutzen will, mag irritieren, ist aber ihr gutes Recht und sie ist damit auch in bester Gesellschaft. Ein Blick auf Instagram zeigt, dass man aus vielem ein Geschäft machen kann – was Individuen teils auch mehr Freiheiten bringt und nicht per se schlecht ist, Schwarzweißmalerei bringt uns dann aber alle zusammen nicht weiter. Denn die Message von Minimalismus- und Slow-Living/Shopping-Influencer_innen, die ReUse und ähnliches predigen, und dann wöchentlich den neuesten Shit auf ihrem Account vorstellen, weil ihnen der ‘kostenlos zur Verfügung gestellt wurde”, darf man dann manchmal auch hinterfragen. Ja klar, hier beißt sich die Katze in den Schwanz denn viele kleine Labels, die tolle Sachen leisten und machen, brauchen genau dieses Marketing, da viele andere Maßnahmen zu teuer sind und man sie sonst überhaupt nicht wahrnehmen könnte. Trotzdem zeigt sich hier eine von vielen Grauzonen, in denen wir uns immer wieder bewegen, weil es eben nicht immer so eindeutig Schwarz oder Weiß läuft.

Also lasst doch Marie auch einfach ein bisschen in der Grauzone laufen, in $206-Schlappen und perfekt eingeschwenkt mit ihrer Stimmgabel-Kristall-Kombo, weil: warum denn nicht? Muss ja keiner kaufen. Und tut – zumindest gemäß der Produktangaben – keinem weh.

Das war dann wohl nichts – gute Vorsätze in schlechter Umsetzung

Attitude is everything

Mein letzter Post erschien vorgeplant am 2. April (verfasst zwei Tage zuvor) und somit zeitlich ohne meine aktives Zutun. Am 1. April ist meine Oma gestürzt und hat sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen, Not-OP und helle Aufregung inklusive. Nachdem ich doch eine recht enge Beziehung zu meiner Oma habe – ich habe einen Großteil meiner Kindheit bei meinen Großeltern verbracht – hat mich das naturgemäß ein wenig aus meiner Spur gewuppt. Nicht dramatisch, aber doch ein bisschen “fuck it” im Abgang. Und mit weniger Selbstkontrolle als ohnehin schon nicht vorhanden.

The road to hell is paved with good intentions …

Langer Rede kurzer Sinn, das mit dem “mal nichts shoppen” ist nichts geworden – ich habe an der einen oder anderen Stelle zwar schon um einiges bewusster konsumiert, als ich es vielleicht noch vor einem halben Jahr getan hätte, aber nichtsdestotrotz ist “weniger” und “bewusster” immer noch wesentlich mehr als “nichts”. Dabei war ich aber immerhin nicht gänzlich unreflektiert und durfte einige kleinere Geistesblitze erleben, die mir hoffentlich weiterhelfen – abseits der bereits im letzten Posting geäußerten Erkenntnisse.

Damals war ja schon klar, dass Shoppen immer auch ein bisschen Kompensation ist. Ängste, Sorgen, Unsicherheiten und ähnliches wollen in semidestruktive Bahnen gelenkt werden und was tut da besser, als das eigene Einkommen unter die Leute zu bringen. Für Alkohol- und Drogenexzesses bin ich mittlerweile zu faul, Kinder, die sich in meinem Namen verwirklichen sollen, habe und will ich nicht und im Bereich Katzendressur erbringe ich mit unseren hauseigenen Stubentigern nur mäßige Ergebnisse (immerhin: der Kater frisst Mücken!). Somit bleibt – neben Abenteuern an der Nähmaschine und Kampflesen – nur mehr der monetäre Exzess, um ordentlich zu kompensieren. Das lässt sich – wie im letzten Post angesprochen – auch verhältnismäßig leicht um- bzw. in andere Bahnen lenken, was neben etwas Willenskraft vor allem auch Ausdauer braucht. Was es allerdings in so einem Fall nicht wirklich braucht, ist die emotional herausfordernde Situation der ehemaligen Beinahe-Haupterziehungsberechtigten im Krankenhaus. Schon klar, perfekte Ausrede für versagende Willenskraft – bin schließlich auch nur ein Mensch …

Als denn, auf in eine neue Runde. In einem englischen Minimalismus-Podcast, Break the Twitch, habe ich ein Interview mit Cait Flanders gehört, der Autorin von The Year of Less. Darin meinte sie, man sollte sich am Anfang nicht unbedingt zu hohe Ziele stecken, also in der Art “ich kaufe einen Monat / drei Monate / ein Jahr NICHTS mehr ein”, weil diese großen Ziele in ähnlich großer Frustration enden können, wenn man versagt und sich noch schlechter fühlt. Ihre Erklärung finde ich einleuchtend und zudem geht es mir persönlich weniger um reißerische Ankündigungen, sondern mehr um einen bewussten Umgang mit Konsum und darum, meine kleine Welt zu ordnen und zu reduzieren.

Warum ist weniger nun mehr?

Weil ich dank der zunehmenden Minimalismus-Wohlfühl-Wolke, in der ich mich seit zwei, drei Jahren bewege, herausgefunden habe, dass eben dieser Minimalismus meiner ADHS gut tut. Da ich keine Medikamente nehme, habe ich über die Jahre – auch mithilfe von Therapeuten und therapeutischen Ratgebern –  gelernt, Mechanismen zu entwickeln, um dem Chaos in meinem Kopf Herrin zu werden. Meist funktioniert das am besten, wenn die Kacke so richtig am dampfen ist – bei ADHSlerInnen nicht so ungewöhnlich. Sobald es dann aber ruhiger wird – wie bei mir seit einer beruflichen Veränderungen letzten Monat – sinkt die Leistungskurve rapide und halbwegs fokussiertes Arbeiten, Schreiben und Recherchieren wird zum Kampf. Seit ich vor einiger Zeit jedoch meinen Arbeitsbereich gründlich entrümpelt habe, läuft einiges schon wieder etwas leichter (die eigentliche Herausforderung ist in dem Fall meistens, überhaupt bis zum Schreibtisch zu kommen und sich nicht auf dem Weg dorthin schon jenseits von Gut und Böse zu verlieren). Nach einiger Recherche in der einschlägigen Fachliteratur ergibt sich die Erkenntnis, dass weniger vor allem bei ADHS-Betroffenen tatsächlich mehr sein kann, was in meinem Fall zutrifft.

Dementsprechend ist das aktuelle Ziel nicht nur, bewusster nicht zu konsumieren, sondern vor allem auch, Mari Kondos “Spark Joy”-Idee noch eine Chance zu geben und nun tatsächlich mal ordentlich auszumisten. Und wer Mari Kondo ist und wie sie womöglich helfen kann, das Kopfchaos zu optimieren, beschreibe ich auch noch. Aber erst beim nächsten Mal – dieser Chaos-Post ist schließlich schon lange genug.

So long, good bye and thanks!