Jetzt erst mal nix mehr, ne …?!(!)

Tutnixwillnurshoppen

Neuer Job. So richtig, mit Büro und fixen Zeiten und frühmorgens raus und so.

Es ist immer noch alles sehr aufregend, sehr ungewohnt, manchmal auch überwältigend. Aber immer machbar, und das ist wohl auch die Hauptsache, denn sonst würde ich mir an dieser Stelle weniger Gedanken darüber machen, wie ich mein After-Work-Programm ein wenig ansprechender gestalten kann, sondern eher darüber, wann ich wie und wo am besten meine nächsten Antidepressiva klarmachen kann. Somit also nicht immer unbedingt ein klarer Sieg auf allen Linien und mit wehenden Fahnen, aber immerhin ein tägliches seelisches Gänseblümchen-Gießen…in meinem Fall gar nicht mal zu unterschätzen. Trotzdem: für große Erfolgssprünge im Dissertationsbereich mag es jetzt grad noch ein bisschen zu früh sein, aber es kann auch nicht angehen, dass ich den halben Tag und/oder Abend auf Shpock, Kleiderkreisel, Amazon oder sonstwo verbringe, um Schnäppchen zu jagen, die ich im Endeffekt natürlich gar nicht brauche (das “Schnäppchen” per se ist in den seltensten Fällen lebensnotwendig, denn Lebensnotwendiges zu shoppen macht in den ebenfalls seltensten Fällen Spaß – man möge nur an all die Besuche im Supermarkt denken, wo uns kaum die Sonne aus dem Arsch scheint in Anbetracht der schieren Freude des alltäglichen Lebensmitteleinkaufs … ).

Abwechslung muss her, ein langsames Heranführen an den Dissertationserfolg im Idealfall, ein Verlassen ausgetretener Kompensationsshoppingpfade im Mindesten. Um so weit zu kommen, gilt es, erstmal Ursachenforschung zu betreiben: woher kommt das “Kompensations” vor dem “Shopping” und warum braucht es sowas überhaupt? Natürlich bin ich nicht Wonderwoman und muss meine Unsicherheiten und anderen psychischen Ausfallserscheinung irgendwo abladen, aber warum soll das ausgerechnet bei Kleiderkreisel, Amazon und Co. sein?
Zum einen verdiene ich seit einigen Monaten das erste Mal seit Jahren wieder mal richtig nett, was mich wohl zu konsumtechnischen Hochsprüngen verleitet; zum anderen mag ich die Schnäppchenjagd und kann mich durchaus in etwas verbeißen, dass ich dann UNBEDINGT haben will, komme was wolle – aber immer günstig. Und weil ich es dabei auch gerne nachhaltig günstig habe, geht es tage- und wochenlang rundum auf den Flohmarkt-Apps, bis das Ziel erreicht ist. Nachdem ich derzeit mein inneres Kind mit der Geschichte von “Kikis kleiner Lieferservice” füttere, braucht es dafür auch das richtige Ambiente – für große rote Maschen im Haar bin ich ein bisschen zu schüchtern, für Sticker, Tassen, Comics und BluetoothLautsprecher in rot-orangem Radioformat aber nicht. Und weil es dieses beispielhaft herangezogene Innere-Kind-Wellness-Package nur Firsthand gibt, kostet das auch – Geld und CO2-Fußabdruck.

Wie also ausbrechen aus diesem Teufelskreis? Erstmal einen Schritt zurücktreten: nach der Ursachenforschung kommt das Bemühen um anderweitige Kompensation. Da ich mittlerweile alt genug und ausreichend lange psychisch-seelisch challenged bin, um zu wissen, dass auch die Psyche auf mindful reprogramming anspricht – unterschiedlich erfolgreich und nachhaltig, aber erstinstanzlich mal immerhin und auf jeden Fall – muss ich nun “einfach” nur mal einen netten Weg zu alternativen Beschäftigungsformen finden. Je länger man etwas nicht macht, umso weniger denkt man daran – basiert beim Rauchen-Aufhören auf dem gleichen Prinzip wie beim Ernährung-Umstellen oder anderen guten Vorsätzen, mit ähnlich variablen Erfolgsaussichten. Aber das soll dem Enthusiasmus per se keinen Abbruch tun. Letzte Shoppingeroberungen trudeln in den kommenden Tagen des frühen Aprils ein, neues soll – mit Ausnahme von tatsächlich benötigtem oder Büchern – vorerst mal nicht nachwachsen, hoffentlich. Aus diesem edlen Vorsatz folgt nun die Kardinalfrage:

Wie vorgehen?

Zu Beginn lösche ich erstmal alle Shoppingapps, die ich irgendwo habe; da noch ein paar Verkaufsangebote von mir auf einer Flohmarktapp rumschwirren, darf die bleiben; sollte sich das aber als zu große Verlockung herausstellen (Stichwort: mangelnde Disziplin), wird die auch gelöscht und es geht ein wenig umständlicher am Computer weiter … Weiter möchte ich in meinem Bullet Journal genau Buch über meine Ausgaben führen. Die Erfahrung zeigt, dass es mir immer furchtbar peinlich und unangenehm ist, zu viel Geld für Unnützes auszugeben – wenn ich es denn auch aufgelistet sehe. Das fällt beim Onlineshoppen oft aus und soll nun nachgeholt bzw. nachgetragen werden. Möge die Macht der Scham mit mir sein …

Und dann geht’s ans Reprogramming: mehr Sport, egal ob zu Hause oder im Fitnessstudio; mehr Lesen, denn Borges wusste schon zu sagen: “Lesen ist Denken mit anderem Gehirn” – klingt doch spannend; mehr machen – ob schreiben, nähen, umräumen, whatever, aber nicht mehr stundenlang rumsitzen und Schnäppchen schnappen, die keiner braucht; entspannen – meditieren (jaja, klingt eso, ist aber so: hilft tatsächlich ungemein, mal mehr und mal weniger, aber immer gut), bei Bedarf auch mal ein Nickerchen, mal ein bissle Masterclass oder ähnliches kucken; und nicht zu vergessen: auch endlich mal wieder ein bissle dissertieren, damit das auch mal ein Ende findet …

Als denn, dann wollen wir mal. Und nein, das ist KEIN (verspäteter) Aprilscherz …