Über große Versuchungen und kleine Heldinnentaten – shoppen und Low Buy?

Zwei Katzen auf Bett Collage
“Versuchung” zu verbildlichen ist so eine Sache – da lieber ein bisschen good vibes mit Katzenbild :)

Ich möchte ja dieses Jahr nur das Nötigste kaufen. Das sich natürlich variabel definieren lässt, danke der von mir definierten Regeln aber schon in Grundzügen recht gut skizziert ist. Neues und nützliches mag sich noch innerhalb des Regelwerks begründen lassen, neues und bereits vorhandenes jedoch nicht mehr. Das weiß ich auch – immerhin habe ich meine Regeln ja selbst definiert. Um runterzukommen, abzuschalten, nachhaltig auszumisten und zu lernen, dass ich andere Bewältigungsstrategien entwickeln muss außer einkaufen. Und das funktioniert auch seit dem Start dieses ‘Abenteuers’ recht gut. Sind aber auch erst knapp acht Wochen, es bleibt also Raum für Versuchungen – und Verbesserungen. Verbesserungen wird es noch zahlreiche geben, Versuchungen waren aber schon da. Ziemlich ordentlich sogar.

Vor gut zwei Wochen (der Post hinkt unserer Zeit grippebedingt leider eine Woche hinterher …) war Wiedersehensfreude angesagt, nachdem eine liebe Freundin von einer mehrwöchigen Rundreise ENDLICH zurückgekehrt war und wir das natürlich erstmal gebührend feiern wollten. Mittags schön essen gehen und danach noch ein paar Dinge in der Stadt erledigen, sprich shoppen. Ganz so wie bei unserem letzten Treffen vor ihrem Urlaub – letztes Jahr.

Nun ist es ja nicht so dass ich in den letzten acht Wochen keinen einzigen Laden von innen gesehen hätte. Zum einen gibt es da liebe Menschen in meinem Leben, die Geburtstag haben und trotz Low Buy beschenkt werden sollen. Dann ist es auch so, dass wir (der Held meines Herzens, unsere Fluffys und ich) ab und an Dinge benötigen: ein neues Notizbuch, eine spezielle Zutat für die vegan Küche, Katzenspielzeug, Bastelutensilien u.v.m. Kurzum, nur mit Supermarkt und Drogerie ist es nicht getan. Außerdem habe ich ja auch noch mein Buchbudget, das mich ebenfalls in analoge und digitale Buchläden führt, ohne dass ich gleich alle Vorsätze über Bord werfe. Ich bin also schon ein wenig geeicht, wenn es um Low Buy Shopping geht. In Woche 6 habe ich aber tatsächlich beinahe eine Grenze erreicht, als ich mit meiner Freundin glücklichst wiedervereint durch die Läden marschiert bin.

 

Shopping = Versuchung?

Der Grund dafür war eigentlich recht banal und ist vielen bestens bekannt: ein Lieblingsladen, den man immer gerne unterstützt, eine schönes Produkt und Winterschlussverkauf. Eine Kombination die schon manche dazu verführt haben, doch mal ein bisschen mehr als geplant auszugeben. Mich auch. Sogar diesmal. Fast. Wer sagt schon gerne nein zu einer schönen, bequemen, nachhaltig produzierten und um die Hälfte reduzierten schwarzen Hose? Shoppen mit gutem Gewissen und dann noch finanzfreundlich? Wunderbar! Ich hatte die Hose an. Ich stand vor diversen Spiegeln, wurde von meiner Freundin und der Verkäuferin mit Komplimenten beglückt, war fast schon begeistert. Meine Freundin probierte andere Modelle der gleichen Hose und wird haben getauscht um zu sehen, wem welches Modell besser passt. Es war also nicht bloß unmotiviertes Schwächen, es war eine animierende Dynamik, die Begeisterung meiner Freundin für die Hose, die mich mitgerissen hat.

Long Story short: Ich habe die Hose natürlich nicht gekauft. Ich habe ausreichend schwarze Hosen, die mir gut stehen und die bequem sind, in meinem Schrank, es gibt also keinen Grund innerhalb meines Low Buy Jahres noch eine zu kaufen. Zudem sah die Hose an meiner Freundin deutlich besser aus als an mir, was zwar die beste Werbung für die Hose ist, aber meine guten Absichten nicht gefährden soll. Und zuletzt hätte ich zwar gerade in diesem kleinen Laden gerne ein wenig Geld gelassen, aber das alleine ist kein Grund, Dinge zu kaufen, die man nicht brauchen kann. Denn das ist mir in einer ruhigen Sekunde in der Umkleidekabine klar geworden: Ich hätte LUST und LAUNE gehabt, diese Hose jetzt zu kaufen, aber keine Notwendigkeit. Und diesem Muster bin ich in den letzten ein, zwei Jahren zu oft gefolgt. Es ist genau das Muster, das ich aufbrechen möchte. Also: keine Hose, aber dafür gute Laune.

Und ein kleinbisschen Stolz, dass ich meine Ziele nicht aus den Augen verloren habe und diese treu geblieben bin. Vorerst mal zumindest. Das Jahr ist noch jung und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass momentane Launen und Impulse mich in Richtungen verleiten werden, die lieber vermeiden möchte. Ich hoffe, ich habe auch dann ein paar ruhige Sekunden um rauszufinden, wie es jetzt tatsächlich weitergehen soll.

 

Vermeiden oder Durchstehen?

Ich bin nach wie vor kein Fan von Hardcore-Vermeidung. Das würde nämlich unter anderem auch bedeuten, dass ich praktisch mit Scheuklappen durchs Leben gehen müsste, und das ist für mich einfach nicht realistisch. Natürlich werde ich jetzt nicht Stunden meines Lebens auf Zalando verbringen, aber dass ich mal ein eine Buchhandlung gehe, ohne gleich den halben Laden leerzukaufen, muss schon drin sein. So viel muss ich aushalten. Ich sehe an jeder Ecke Dinge, die mir gefallen: Klamotten, die andere tragen, Rucksäcke, Schuhe, schöne Teekannen, Bücher und so vieles mehr, was mir gerade nicht einfallen will. Ich konnte nie alles kaufen und haben und in diesem Jahr nochmal weniger. Also werde ich es nicht nur aushalten, Dinge zu sehen, die mir gefallen, ich werde es auch zum Anlass nehmen, mich so inspirieren zu lassen, die Dinge, die ich habe, zu feiern. Und was mir wirklich so richtig gut gefällt (und ich es aber in der Art schon besitze oder nicht für Arbeit oder Diss benötige), kommt auf meine 2021-Wunschliste. Funktioniert bis jetzt auch ganz gut!

Vermeidung finde ich aber nach wie vor im Zusammenhang mit Newsletter, E-Mails und Online-Shopping wichtig. Zum einen bin ich höchst dankbar, wenn mir nicht jeder Dreck die Mailbox zufüllt (auch nicht im Spamordner), zum anderen macht (zumindest für mich) onlineshoppen nur dann wirklich Sinn, wenn ich etwas kaufen will. Da ich aber nichts kaufen will, bin ich auch nicht auf den einschlägigen Seiten unterwegs. Natürlich gehe ich auch offline nur dann in ein Geschäft, wenn ich etwas brauche und weiß, dass ich es dort bekomme. Allerdings bin eich auch ab und an mit Freund_innen oder Familie unterwegs und kann dann nicht immer alleine entscheiden, wohin wir gehen. Was ich aber schon entscheiden kann ist, wie ich mich dort verhalte. Auf Kleiderkreisel lande ich nicht per Zufall, weil eine Freundin dort was sucht. Für Versuchungen dieser Art bin ich ganz alleine verantwortlich. Und zum Glück kann ich sie auch entsprechend eigenständig vermeiden. Hoffentlich :)

Der Februar ist bald geschafft und während mein Dissertations-Ich verzweifelt auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist (danke, liebe Grippe), in mein Low-Buy-Ich noch ziemlich zufrieden mit dem Lauf der Dinge. Besser geht immer, aber schlechter auch. Doch dazu ein anderes Mal mehr …

Weniger ist mehr – mein Low Buy Januar

Vier Buecher verschiedene Titel
Vier Bücher aus vier verschiedenen Bereichen – man gönnt sich ja sonst nichts …

Der erste Monat meiner Low Buy 2020 Challenge ist vorbei – ich habe wenig Geld sinnlos verloren, viel Zeit für Sinnvolles gewonnen und bin immer noch bester Dinge, dass das ein schönes Jahr wird. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, und schon gar nicht im ersten Monat des Jahres …

Was ich gewonnen habe

Was haben die ersten 31 Tage umfassender Konsumverzicht gebracht? Vor allem eines und das Wertvollste überhaupt: Zeit.
Wer nicht mehr stundenlang bei Kleiderkreisel, Zalando und Konsorten Zeit und Lebensenergie verpulvert, um mit sich zu hadern, wie viel Geld man eigentlich noch rausschmeißen möchte, hat plötzlich ganz viel Zeit. So richtig viel. Beinahe schon schockierend viel. Aber nur beinahe.
Ich habe schon drei Bücher Vorsprung bei meiner Goodreads-Readingchallenge 2019 und Zeit genug, um unkoordiniert zwischen vier Büchern zugleich zu switchen, je nachdem, ob es was akademisches, fiction, non-fiction oder selbstverbesserndes sein soll. Zugegeben, vier Bücher zugleich ist tatsächlich zu viel, aber das ist wohl auch der Überschwung der ersten Stunde (sozusagen).
Eine meiner wichtigsten Baustellen erlebt endlich auch wieder richtig Betrieb. Dank sinnvoller Zeitersparnis bin ich wieder richtig schön auf Linie mit meinen akademischen Zielen und komme wieder regelmäßiger zur Diss-Arbeit. Wenn ich bei aller anfänglich-euphorischen Verblendung realistisch bleibe, hoffe ich nun mal mutig auf eine Fertigstellung der Arbeit in diesem Jahr – schon alleine, weil die Einbindung in eine Forschungsinitiative seit letztem Herbst zu solch sozialen Überforderungszuständen führt, dass ich jetzt dann wirklich die Nerven wegwerfe, in mehrfachem Sinne … Gruppenarbeit hat also tatsächlich ihr Gutes, wenn auch nicht immer in die gewohnte Richtung.
Neben einer absoluten Leistungssteigerung im akademischen Bereich schreibe ich auch generell wieder regelmäßiger. Im Großen und Ganzen arbeite ich beinahe täglich mit und am Text (nicht nur im Büro), sei es akademisch oder weltlich, und das ist ein Gewinn nicht nur im Vergleich zum letzten, sondern zu den letzten Jahren. Zusammen mit meinem neuen Lesepensum lebe ich also insgesamt wieder mehr in einer Textwelt fernab vieler (realer) Menschen und Begebenheiten, und das alleine macht mich richtig glücklich – so kitschig das jetzt auch klingen mag.
Jenseits der (fachlich teils sehr) praktischen Umstellungen bin ich überhaupt rundum wieder ein wenig kreativer. Sei es, dass ich an Illustrationen, Doodles oder Handlettering in meinem Bulletjournal arbeite oder nun doch endlich den Mut gefasst habe und schrittweise nach mehreren Probedurchgängen meine Kanken besticke – es wird bunter, vielfältiger, unterhaltsamer und damit auch viel entspannter bei mir. Auf meine Weise, in meinem Tempo und meistens als Insel. Aber immer mit Anlegestation.

Kankenstickerei
Mut (und Geschmack) kann man sich nicht kaufen, Garn schon: hier mein bestickter Kanken.

Was ich verloren habe

Wo sehe ich nach einem Monat Konsumverzicht Verluste? Immer noch beim Geld. Die semestral bzw. alljährlich zur selben Zeit wiederkehrenden Studiengebühren haben mich mal wieder ziemlich überrascht und meinen Sparerfolg nachhaltig beschnitten. Zudem hatten wir (bzw. ich) in diesem Monat einige Verabredungen mit Freunden, die recht kurzfristig kamen und mich mehr gekostet haben als ich kalkuliert hatte (oder überhaupt in meinen Low Buy Regeln vorgesehen). Ich habe insofern also bereits im ersten Monat gegen meine eigenen Regeln verstoßen, mir diese Abende aber trotzdem erlaubt, weil ich in diesem Jahr primär aufs Shoppen als Verhaltensmuster und Kompensationsmechanismus verzichten will, nicht auf schöne Zeiten und Erlebnisse mit lieben Menschen. Dass es mich mehr finanziell mehr gekostet hat, als mir lieb ist, war nicht ideal, letztendlich aber auch eine Ausnahme, da wir (und ich) an sich recht selten auswärts essen – in diesem Bereich spare ich nämlich gerne, und das aus gutem Grund. Ich achte zwar auf die Qualität von Lebensmitteln, gebe an sich aber nicht gerne viel Geld für Restaurantessen, Take-Away und ähnliches aus, weil ich Nahrungsaufnahme eher vom sachlichen Versorgungsstandpunkt als Treibstoff und nicht als Genussmittel sehe. Dementsprechend muss es für mich nicht immer unbedingt saulecker, sondern vor allem zweckdienlich sein. Aber das ist ein anderes Thema.
Abseits von Restaurantkosten war ich auch ehrlich überrascht, wie viel Zeit (und Geld) man generell in Dinge des täglichen Gebrauchs ganz allgemein investieren kann. Trotz Mealplanning und entsprechend schlank koordinierter Einkaufsliste war ich immer noch einige Zeit in verschiedenen Läden unterwegs, weil es dann doch da mal ein Spülmittel, hier mal Brot und dazwischen noch Kartoffeln und Reis brauchte.

Insgesamt war mein Low Buy Januar also ein guter Einstieg und macht auch definitiv Lust auf mehr, an einigen Ecken gibt es aber noch Potential für Optimierungen. Mein Bücherbudget habe ich dafür nur zur Hälfte ausgenutzt, für mich ein Zeichen, dass die Idee mit dem “Nix kaufen” rundum wohl gar nicht so schlecht war.

Was ich als nächstes vorhabe

Februar sollte vor allem finanziell überschaubarer werden. Ich muss Fahrtkosten für eine Reise im April zahlen und die Jahresgebühr für eine App, die ich mir für ein weiteres Jahr gönne, aber darüberhinaus gibt es keine größeren Ausgaben und das möchte ich gerne so halten. Auch an der Essensfront möchte ich den Februar ein bisschen ruhiger halten, zur Abwechslung mal kein Take-Away und Essen gehen nur zu wirklich besonders besonderen Anlässen. Im Idealfall spare ich mir dann sogar mein Bücherbudget. Schließlich steht das Lesejahr 2020 unter dem Motto “Rediscover the shelves”, und in meinen Regalen gibt es so viele spannende Sachen wiederzuentdecken, dass man schon mal ein, zwei oder sogar mehrere Monate mit Neuanschaffungen auslassen kann … Aber das wird sich noch zeigen. Jetzt erst mal Februar, dann sehen wir weiter.
Aber nicht nur im finanziellen Bereich gibt es spannende Entwicklungen, auch die Alltagsgestaltung bietet so viele neue Möglichkeiten. Vor allem möchte ich meine neugewonnene Zeit vermehrt in mich selbst investieren und zumindest dreimal wöchentlich zum Sport gehen oder irgendwas ansatzweise sportliches vollbringen – also mehr als nur mit dem Rad zur Arbeit oder das gute alte Treppe-statt-Aufzug. Wahrscheinlich wird sich das mit der Zeit sowieso einpendeln, wenn es wieder ein bisschen wärmer wird und man ohne Spezialausrüstung auch mal einfach schnell eine Runde um den Block laufen kann. Aber es sich vorzunehmen und irgendwo festzuhalten kann ja auch nicht schaden.

Der Euphorie bezüglich neugewonnener Zeitfenster wird die alltägliche Einsicht folgen, dass dies nun bleibt und entsprechend neu bespielt werden darf – und soll. Der Fokus liegt auf meinen akademischen Zielen, wo ich endlich ein stark gedimmtes Licht am Ende des sehr langen Tunnels sehe und hier schnellstmöglich entsprechende Arbeitsgewohnheiten etablieren möchte.
Alles weitere wird folgen …